Mein erster Urlaub auf Fuerteventura

     
    

HotelJP

Paradiso

 

 

 

 

 

Die ersten touristischen Pioniere begannen in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre im Süden Fuerteventuras völlig abgelegene Hotels zu errichten. Da waren zum einen Gustav Schütte und Manfred Henneken, die als erste das zunächst recht kleine "Casa Atlanica" mit nur etwa 40 Zimmern eröffneten. Ihnen folgten bald die Unternehmer Andrés Martin und Rolf Bruns, die mit dem "Hotel Jandia Playa" gleich mal einen zehngeschossigen Hotelturm aus dem Boden stampften, der wenige Jahre später der erste "Robinson Club" werden sollte.

Noch bevor das "Casa Atlantica" seine wuchtigen Erweiterungsbauten bekam, hatten die Herren Nöthel (Düsseldorf) und Hermanns (Krefeld) 1970 begonnen, gleich rechts nebenan eine Appartementanlage zu entwickeln, deren Wohneinheiten unter anderem im Bekanntenkreis veräußert wurden. So kaufte damals auch ein Zweig meiner Familie eines der Appartements im "Paradiso" mit zwei Schlafzimmern und einer wunderschönen, teilüberdachten Terrasse.

Schon bald danach wurde mir angetragen, "doch mal mitzufahren", aber ich solle mich nicht erschrecken, "da ist nichts", hieß es immer.
Erst nach einigen Jahren hat dann alles irgendwie zusammengepasst, meine Tante hatte mit ihrer Tochter einen Aufenthalt an Weihnachten und über den Jahreswechsel 1977/78 in ihrem Appartement geplant und die Direktflüge von Düsseldorf nach Fuerteventura waren gebucht.
Ein guter Freund meiner Tante und ich ließen sich dann breitschlagen, den beiden Damen Gesellschaft zu leisten. Rasch wurden zwei Flüge nachgeordert, die allerdings über Lanzarote gehen mussten, denn die Direktflüge nach Fuerteventura waren ausgebucht. Von Lanzarote aus sollte es dann mit einer kleinen Propellermaschine weiter nach Fuerteventura gehen - eigentlich nichts Besonderes auf den Kanaren.

 

    
 
Flughafen

Los geht‘s

Während also die Damen auf direktem Wege zum Flughafen auf Fuerteventura waren, flogen die beiden Herren zeitgleich auf die Nachbarinsel, von der es am gleichen Tag noch weitergehen sollte. Dumm war nur, dass zu diesem Zeitpunkt auf den Kanaren seit einigen Tagen Scirocco (Schirokko) herrschte und somit die Inselhüpfer, wie die kleinen Verbindungsflieger zwischen den Inseln gern genannt werden, nicht fliegen konnten. Wir saßen also auf Lanzarote fest und konnten das auch den Damen nicht mitteilen, denn Telefonverbindungen waren damals auf Fuerteventura eine Rarität.

 

 
 

GrandHotel

Wein

Saline

Gestrandet auf Lanzarote

Um nicht am Flughafen übernachten zu müssen, nahmen wir ein Taxi und fuhren zum "Arrecife Grand Hotel", wo wir uns für eine Nacht einquartierten. Gleich in der Nähe fanden wir ein Reisebüro eines deutschen Veranstalters, in dem uns eine Mitarbeiterin die Lage erklärte und den Rat gab, am folgenden Tag eine Rundfahrt über die Insel zu unternehmen, sie sei sehr sehenswert. "Das dürfe man sich nicht entgehen lassen, wenn man schon mal da sei". Nachmittags sollte diese Rundfahrt dann am Flughafen enden, damit wir dort schauen können, ob wir an diesem Tag einen Flug nach Fuerteventura bekommen.

Wie geheißen fuhren wir am nächsten Tag mit dem Taxi über die Insel, besuchten die Feuerberge "Timanfaya", das Weinbaugebiet "La Geria", die großen Salinen "De Janubio" im Südwesten der Insel, einen Teil der Westküste mit "Los Hervideros" und "El Golfo" (El Lago Verde) und bekamen vor lauter Staunen den Mund kaum noch zu. Die Dame im Reisebüro in Arrecife hatte nicht übertrieben, diese Insel ist eine einzige Ansammlung von Naturwundern.

Später am Flughafen war dann die Lage unverändert; die Inselhüpfer konnten nicht starten. Wir waren nicht die einzigen verhinderten Passagiere. In der Nähe entstand eine lautstarke Auseinandersetzung, weil jemand nicht verstehen wollte, warum seine Frau und seine Tochter nicht nach Fuerteventura fliegen können. Dieser Lärm erregte die Aufmerksamkeit eines jungen spanischen Señors mit hellblauem Jeanshemd und Cowboy-Hut, der sich erkundigte, was da los sei. Nachdem wir die Lage geschildert hatten, wollte er wissen, wie viele Personen wir seien - da waren die Dame mit der kleinen Tochter und wir beiden Gestrandeten -, also vier Personen. Er meinte, wir sollen vor das Gebäude kommen, er würde seinen Wagen holen. Wir machten ihn darauf aufmerksam, dass wir alle Koffer dabei hätten, die würden ja viel Platz benötigen. "Das sei kein Problem" - sprachs und verschwand.

 

 
 

Cadillac

 

Die Rettung beginnt

Wir vier warteten kurz vor dem Gebäude und verstanden dann, wieso der benötigte Platz kein Problem war. Er fuhr mit einem ausgewachsenen amerikanischen Cadillac vor, ein Riesenschiff von Auto.
Nachdem alles verstaut war, kutschierte er uns in den äußersten Süden der Insel nach "Playa Blanca", einem kleinen Dörfchen, das die Touristen noch nicht entdeckt hatten. Dort suchte er nach einem Skipper, den er aber nicht fand. Also fuhr er uns zurück nach "Puerto del Carmen", dem einzigen damals schon existierenden Touristenkaff auf Lanzarote. Hier überraschte uns der junge Señor gleich noch einmal, denn ihm gehörte dort ein Hotel, in dem er uns für die Nacht unterbrachte. Das Abendessen gab es in einer Art Innenhof unter freiem Himmel und mit kanarischer Livemusik - zum ersten Mal kam so etwas wie Urlaubsfeeling auf.

 

 
 

Ruderboot

Fischerboot

Kaimauer

Die Überfahrt

Am nächsten Morgen ging es schon um 6 Uhr Richtung "Playa Blanca" in den Süden, diesmal war der Skipper anwesend. Wir wurden mittels Ruderbötchen an Bord seines etwas größeren Bootes gebracht. Nachdem die beiden Innenbordmotoren klar gemacht waren, schipperten wir die rund 15 km rüber nach Fuerteventura, wo wir in Corralejo an Land gingen. Das erste Stück Fuerteventura, das ich betreten konnte, war eine Steintreppe in der Hafenmauer.

Mutter und Tochter wollten zum "Oliva Beach", einem Hotel, gleich neben dem "Tres Islas" in den Dünen von Corralejo. Man konnte die beiden Hotels während der Überfahrt einsam im Sand stehen sehen. Dort trennten sich dann auch unser aller Wege. Unser Retter wollte zurück nach Lanzarote, die Damen ins Hotel und wir weiter in den Süden von Fuerteventura, ein Taxi sollte uns dorthin bringen. Unser Retter, der junge Señor, erbat für seinen Einsatz eine kleine Anerkennung, jeder sollte ihm 1.000 Peseten überlassen - das waren damals ungefähr 27 DM. Und ich bin überzeugt, die waren nicht für ihn, sondern für den Skipper.
So haben wir nach der (typisch spanischen) "Mañana-Mentalität" des stoisch-gleichgültigen Mitarbeiters am Flughafenschalter auch gleich die andere Seite kennengelernt, die spanische Gastfreundschaft.

 

 
 

Insel

Insel

Windrad

Duene

Piste

Einmal längs über die komplette Insel

Nun stand uns eine mehrstündige Taxifahrt bevor, bei der wir die Urtümlichkeit der Landschaft genießen und bestaunen konnten. Überall waren ziemlich runde Berge zu sehen, die man unschwer als Vulkankrater erkennen konnte, und die keinen Zweifel am vulkanischen Ursprung Fuerteventuras aufkommen ließen. Die Straßen waren schmal und ohne Fahrbahnmarkierungen, aber wenigstens asphaltiert.

Die Strecke, die wir zurücklegen mussten war etwas über 100 km lang und führte über kleine, beschauliche Städtchen und Dörfer, wie Antigua, Agua de Bueyes,, Tiscamanita, Tuineje und dann weiter Richtung Gran Tarajal. Kurz bevor diese südliche Hafenstadt erreicht wurde, ging es rechts ab in die letzte Etappe - die Halbinsel Jandia war jetzt nicht mehr weit.

Das erste Mal ganz nah ans Meer ging es dann in dem kleinen Örtchen Tarajalejo. Dieses winzige Dörfchen bestand lediglich aus wenigen kleinen Häusern, einem schwarzen Sandstrand, an dem die einzige Straße vorbei führte, und zwei oder drei Hotels, auf der anderen Seite der Straße. Eines dieser Hotels hieß "Maxorata" - an den Namen erinnere ich mich noch gut, weil das auch der Name der Hauptinsel ist. Fuerteventura besteht nämlich aus zwei Teilen, der nördlichen Hauptinsel "Maxorata", nach der auch die ursprünglichen Inselbewohner "Majoreros" benannt sind, und einer südlich angehängten Halbinsel namens "Jandia".

Wir hatten Tarajalejo noch nicht ganz verlassen, da endete die asphaltierte Straße, ab hier war Schotter- und Sandpiste angesagt, gut mit deutschen, unbefestigten Feldwegen vergleichbar.
Nach einigem hügeligen Gekurve  begannen die weitläufigen Dünen der Costa Calma, damals stand dort lediglich eine einsame, windschiefe Holzhütte, kein Baum, kein Strauch, keine Palme - einfach nur eine endlose Sandwüste so weit das Auge reichte, und mir fielen wieder die Worte meiner Tante ein: "da ist nichts".

Gleich im Anschluss an das Dünengebiet begannen die gut zu erkennenden, großen Lavazungen, die einst aus einem früheren riesigen Krater Richtung Meer geflossen waren. Und die Piste musste über jeden dieser Lavahügel klettern, um auf der anderen Seite wieder in ein ausgetrocknetes Flusstal - einen Barranco - abzusteigen. So ging es in weiten Schleifen immer wieder bergauf und bergab, und ein Schlagloch reihte sich an das nächste.

Nach einer endlosen Hoppelei, folgte auf einen letzten Hügel und eine letzte Kurve ein eher ebener Wegabschnitt, den es so heute noch gibt, allerdings vierspurig ausgebaut. Dieses letzte Stück Feldweg führte an den Hotels "Casa Atlantica" und "Robinson Club Jandia Playa" vorbei über den dahinterliegenden Hügel direkt nach "Morro Jable", jenes kleine Fischerdorf im Süden der Insel - ab da gab es keine Zivilisation mehr, nur noch einen Leuchtturm am Ende der Insel.

Wir waren jedenfalls endlich angekommen, wenn auch mit einer zweitägigen Verspätung. Aber wie heißt es so schön: wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen.

 

 
 

Grill

Estancia

Wir

Silvester

Nichts los? Von wegen ...

Nun muss ich erst mal mit dem Spruch meiner Tante aufräumen, denn auf der Insel gab es jede Menge, vor allem sehr viel unberührte und schroffe Natur. Bis dahin wusste ich nicht, dass mir Wüsten so unglaublich gut gefallen - daher habe ich mich auf Anhieb in diese Insel verliebt und bin seit über 40 Jahren immer und immer wieder dorthin gefahren. Dass dort also "nichts sei", bezog sich nicht auf die landschaftliche Schönheit der Insel, sondern auf die uns vertraute Infrastruktur. Das begann mit Wasser und Strom, beides war täglich nur stundenweise vorhanden. Einen winzigen Lebensmittelladen gab es in Morro, natürlich nur mit lokalen Produkten, ein etwas größerer "Supermarkt" war 35 km entfernt in Tarajalejo - und er hieß "Padilla". Heute unterhält die Familie Padilla zahlreiche moderne Supermärkte auf der Insel.

In der Nähe gab es lediglich drei Restaurants, zwei im "Casa Atlantica", nämlich ein Grillrestaurant, in dessen Tischplatten Grills integriert waren, und das "Estancia", eine Art Steakhouse, sowie eins im "Stella Canaris", das sich auf der anderen Seite des "Paradiso" allmählich entwickelte - damals umfasste es erst zwei Blocks mit Hotelzimmern.
Wenn wir also nicht selber kochen wollten, mussten wir uns auf den Weg machen, um eins der Restaurants aufzusuchen. Dumm nur, dass gerade Regenzeit war. Ins "Casa Atlantica" kamen wir fast trockenen Fußes, aber ins "Stella Canaris" blieb nur der Weg durch den Matsch, denn Gehwege gab es noch nirgendwo. Um uns nicht vollkommen einzusauen, haben wir uns Plastiktüten um die Schuhe gebunden, was meine Tante sehr erheiterte, wie die nebenstehenden Fotos zeigen.

Den Silvesterabend verbrachten wir im "Robinson Club Jandia Playa", den man damals noch ohne weiteres aufsuchen konnte, denn es waren einfach so wenig Touristen in der Umgebung, dass die spätere Abschottung des Clubgeländes noch nicht notwendig war.

Und an den übrigen Abenden waren meine Cousine und ich abwechselnd in den beiden (!) Diskotheken unterwegs, bei gutem Wetter in der "La Cueva" vom Robinson Club und bei Regen in der "Alhambra", einem roten Plüschschuppen am äußersten linken Ende des "Casa Atlantica". Einer der wichtigsten Vorteile dieser Disco war die Lage innerhalb des Hotels, so dass wir selbst bei strömendem Regen trocken blieben, weil wir uns durch die Hotelflure bewegen konnten.

Neben schönen Strandtagen unternahmen wir auch einige Ausflüge über die Insel, zum Beispiel zum Leuchtturm im Süden und nach Cofete, oder auch nach Betancuria. Das alles hatte damals noch einen Hauch von Abenteuer, weil nichts perfekt geregelt war, und oftmals das persönliche Improvisationstalent gefordert war.

Am Ende von drei schönen Wochen flogen wir Mitte Januar 1978 alle gemeinsam von Fuerteventura aus zurück nach Düsseldorf. Mich hat diese Insel jedenfalls derartig beeindruckt, dass ich schon im gleichen Jahr, nämlich von Ende September bis Mitte Oktober 1978 für weitere drei Wochen dort einen Urlaub verbracht habe - diesmal im "Robinson Club Jandia Playa", auch das war der Beginn einer neuen und ziemlich langen Geschichte.

 
 
 
 

Digitalisierte Super8-Filme aus dem Jahr 1977

 
 
 
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